Das Märchen von der Einschaltquote und x Millionen Zuschauern

Es war einmal….. die irrige Annahme, dass eine Meldung –z.B. zum DSDS-Finale 2010: “schauten sich gestern Abend 7,58 Millionen Menschen am TV an” auf Promis-Inside.de– tatsächlich die Zahl derer angibt, die zum Zeitpunkt der Ausstrahlung den Fernseher angeschaltet haben. Das ist aber kein Problem derer, die das so verbreiten, als vielmehr der generelle Irrtum, dass ein beliebiger Haushalt bzw. Privatperson die Einschaltquote beeinflussen kann. Digitalfernsehen.de berichtet (im Oktober 2011) jetzt über die Anmeldung eines Patents von Google, das es dem Unternehmen ermöglichen soll, Sehgewohnheiten mittels einer Set-Top-Box zu ermitteln! Dies würde neue Maßstäbe setzen im Ermitteln einer realen Einschaltquote

Wer steckt hinter den Millionen Zuschauern?

Die Märchen lesen sich immer gleich, wenn wir von Prozenten, Marktanteilen und Quoten lesen. Dabei wird oft übersehen, dass es nur eine fast schon verschwindend kleine Gruppe von Auserwählten gibt, die über ein spezielles Gerät verfügen, über dass das Fernsehverhalten gemessen wird und somit als repräsentativ angesehen wird. Beauftragt zur Messung der Daten wird in erster Linie die Gesellschaft für Konsumforschung, kurz GfK (siehe Wiki). Seit 1963, als das Tammeter zur minutengenauen Erfassung erfunden wurde, gab es bei den Geräten eine ständige Weiterentwicklung.

Auf der eigenen Website bestätigt die GfK, dass “in 16 europäischen Ländern. Mehr als 18.000 Panelhaushalte sind mit Messtechnik” ihres Schweizer Partner-Unternehmens ausgestattet sind, also werden es bezogen auf ganz Deutschland nur einige wenige Tausend sein. Jeder Panelhaushalt hat eine Art Decoder, der zwischengeschaltet wird und dazu dient, die Einschaltquoten zu liefern. Freiwillig kann sich keiner hierfür bewerben, der sich aufgrund von maximal möglichem TV-Konsum dazu berufen fühlt, gemessen zu werden.

So wissen wir eigentlich bis heute nicht verlässlich, wie viele tatsächlich RTL, SAT1, Pro-Sieben oder die öffentlich-rechtlichen ARD/ZDF geschaut haben. Nur hochgerechnet. Wie der Onlinedienst heise.de berichtet, wird es bald (Stand: September 2011) sogenannte “Smart Meter” geben. Diese intelligenten Stromzähler können aufgrund des Stromverbrauchs auf das Fernsehprogramm schließen, wie es in dem Projekt DaPriM herausgefunden wurde – das könnte noch eine sehr interessante Angelegenheit werden.

Nur einige Tausende entscheiden über Schicksale

Eigentlich Wahnsinn, wenn man sich überlegt, dass durch so wenig Anschlüsse doch so viel über Wohl und Wehe einer Sendung oder einer Show entschieden wird. Aber heutzutage klammert man sich immer mehr an Zahlen, auch wenn sie nur fiktiv sind – um teils einen Vorwand zu haben bzw. argumentativen Antworten aus dem Wege zu gehen, warum man sich manchmal gegen die Qualität eines TV-Formats entscheidet.

Mittlerweile wurden aber auch die Methoden optimiert für eine sekundengenaue Ermittlung, auch das Zappen wird entsprechend erfasst und die Daten werden schnell verarbeitet, damit fast alle Sender im deutschen Verbund diese am nächsten Morgen auf dem Tisch haben. Für mich als Außenstehender weiß ich nicht, ob ich das eher lustig oder traurig finden muss – etwas Skurriles hat es jedenfalls. Das gilt ja auch für Wahlen, wo immer gesagt wird, wie viele Millionen das oder das gewählt haben vorher und nachher gibt es doch oft eine Differenz zwischen der Prognose und der Realität. Dazu bitte auch lesen:  Seitdem es Wahlprognosen gibt, sind Wahlprognosen falsch

Film-Tipp dazu: Free Rainer und andere

Ein Film, der sich kritisch mit diesem Thema auseinandersetzt, ist “Free Rainer – Dein Fernseher lügt” mit Moritz Bleibtreu und dieser ist, wie viele Filme mit ihm, natürlich zu empfehlen. Ein weiterer Film ist die US-Filmsatire “Network” von 1976, über die man hier auf allesfilm.com eine wunderbare Kritik lesen kann. Dreizehn Jahre später folgt “Nachrichtenfieber – Broadcast News” mit Holly Hunter, Albert Brooks und William Hurt. Das sind so drei große Filme, die ich auch als Diskussionsgrundlage vorschlagen würde. Aber eher mit einem Augenzwinkern, wie man auch das ganze Thema nicht ganz so hoch hängen sollte, wie es gerne die Sender tun……

2 Gedanken zu „Das Märchen von der Einschaltquote und x Millionen Zuschauern“

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